Meine Erfahrungen bei der Drückerkolonne

Was ich hier nun erzähle habe ich im März/April 2007 erlebt. Und nebenbei, es war NICHT “Ranger”!!

Wenn man kein Geld hat und verzweifelt Arbeit sucht dann antwortet man schon mal auf augenscheinlich seriöse Anzeigen die einem sonst nie aufgefallen währen. Zum Beispiel die grüne Anzeige mit dem großen grünen Freenet-Logo in der steht das Verkäufer gesucht werden für Marketing – 1200 Euro Netto plus Prämien. Neulinge werden eingearbeitet.
Ich rief dort an und bekam noch am gleichen Tag die Chance mich da vorzustellen. eigentlich ja komisch, aber damals habe ich mich gefreut – ich brauchte Arbeit und vor allem Geld!

Dort angekommen sah das Büro ja auch sehr seriös aus, alles war still und ich bekam erst mal einen Fragebogen in die Hand gedrückt den ich ausfüllen musste. Der Chef bat mich dann zu sich und legte sofort los mich einzulullen was auch anfangs funktioniert hat. Ob ich bereit wäre Sachen an der tür zu verkaufen, das wäre gar nicht unseriös, in Amerika werden sogar Boote an der Haustür verkauft. Und die Vorwerk-Mitarbeiter machen es doch auch so! “Ja warum nicht” dachte ich mir. Und schon war ich am nächsten Tag für einen Probetag eingetragen, 10 Uhr gings los. Gegen seriöses Verkaufen habe ich auch ehrlich gesagt nichts.
Der Probetag verlief sehr gut, alles seriös und keine Drücker. Haha wenn das mal so geblieben wäre. Als Probetag bekommt man ja nicht mit was da hinter den Kulissen noch so läuft. Also unterschrieb ich – blauäugig – einen befristeten Jahresvertrag. Zum 15. März wurde ich eingestellt.
Arbeitsbeginn 8 Uhr. Wow wieso so früh wenn es doch erst um 10 Uhr los geht?

Ganz einfach: Zwischen 8 und 10 Uhr ist “Meeting”. Das hört sich langweilig an, ist es aber ganz und gar nicht. Da sitzen nicht alle gelangweilt am Tisch und kauen auf ihren Kugelschreibern rum.
Alle stehen in einem großen Raum im Kreis, vorne eine Tafel und an der Wand hängen die “5 Schritte zum Verkauf” und die “8 Schritte zum Erfolg”. Die muss man auswendig lernen und befolgen. Jeden morgen werden sie abgefragt – und wehe du kannst sie nicht! Hier mal die “5 und 8 Schritte”

8 Schritte zum Erfolg:

Positive Einstellung
Dein Erfolg hängt zu 90% von Deiner Einstellung ab

Pünktlichkeit
Respektiere Dein Geschäft!
Gehe mit gutem Beispiel vorran!

Bereite Dich gut vor
Auf Dein Gebiet
Auf Absagen / Zusagen

Acht Stunden Arbeitseinsatz
Oder auch mehr – Extrameilen!
Bist Du genügend Leute gesehen hast

Bearbeite Dein Gebiet effektiv
Nicht selektiv sein
Keine Hemmungen und Vorurteile haben, sprich jeden an!

Behalte Deine positive Einstellung
Jeder Korb bringt Dich dem Verkauf näher
Bleibe nicht an negativem hängen

Werde Dir bewusst was Du hier tust
Setze Dir Nahziele / Fernziele
Ohne Ziele kein Ergebniss

Übe Kontrolle aus
Dein Äußeres, Dein Auftreten, Reaktionen der Kunden
Situationen, Deine Zukunft!

5 Schritte zum Kunden

Vorstellung – Sell Yourself
Lächeln
Begeisterung
Blickkontakt

Kurz Info
Ich komme im Auftrag von ….. das kennen Sie doch sicherlich !?
Qualifizierung
z.B. läuft der Anschluss auf Ihren Namen?
Wie hoch ist im Schnitt Ihre Telefonrechnung?
Haben Sie Kabel oder Sateliet?
Sehen Sie lieber Sport oder Filme?

Präsentation
Positiv promoten
Heb die Vorteile besonders hervor
Billige und einfache Tarife
Maßgeschneiderte Angebote für den Kunden

Abschluss
Davon ausgehen, das der Kunde das Produkt möchte und anfangen, zu schreiben
Sicherstellen, das alles sauber und vollständig ausgefüllt ist

Rehash

Eventuell nach Kollegen, Bekannten, Freunden, Familie fragen und Chancen nutzen sie zu schreiben
Schleifchen drum – investiere mindestens eine Minute und gehe nochmals über die wichtigsten Punkte

Aber da wird nicht nur zwei Stunden einfach Regeln abgefragt, das nimmt vielleicht eine halbe Stunde in Anspruch. Danach wird im Kreis das verkaufen geübt. Einer verkauft und einer spielt den Kunden, der Rest guckt aufmerksam zu. Ein bisschen Motivation noch zum Schluss – in Worten und in Geldscheinen (es regnet auch mal Prämien vom Chef für den der die meisten Verträge macht an dem Tag) dann werden die Gruppen aufgeteilt und bekommen gesagt in welche Stadt es geht und dann gehts los.
Das Gebiet ist groß. Ich wohnte ja in Düsseldorf und wir waren in allen möglichen Städten im Umkreis tätig. Bochum, Mönchengladbach, Wuppertal, Krefeld, Duisburg usw.
Man muss als Verkäufer minimum 3 Aufträge pro Tag heim bringen um langfristig da zu arbeiten.

Die Methoden dafür waren nicht so einwandfrei wie ich anfangs dachte.
Da werden Leuten, die keinen Computer haben Sachen verkauft die sie ohne Computer gar nicht konfigurieren und benutzen können.
Wer Freenet Komplett kennt der weis das man einen Computer braucht um die Internettelefonie einzustellen damit man telefonieren kann. Ohne Computer kein Telefon.
Da wird auch Leuten geraten ihr Arcor einfach nicht mehr zu zahlen – dann wird es schon gekündigt. Cas die Leute dadurch in die Schuldenfalle rutschen und früher oder später der Gerichtsvollzieher kommt ist denen egal. Da wird auch schon mal der alte (aber noch laufende) Telefonvertrag des Kunden eingesteckt und MITGENOMMEN!!
Es wird Einfluss auf die Leute genommen, falsche Sachen erzählt wie zum Beispiel “Klar, sie können das nach 3 Monaten kündigen” (aber der Vertrag läuft zwei Jahre). Da wird auch schon mal Sturm geklingelt oder gegen die Tür gehämmert wenn einer nicht auf macht.
Es werden Strichlisten geführt für jede Straße, damit man weis wer von den Bewohnern erfolgreich einen Vertrag vermitteln bekommen hat, wer nein gesagt hat und wer nicht anzutreffen war.

Einige können sich ja denken das Freenet verkaufen auf Dauer nicht klappt, irgendwann ist alles mal ausgelutscht, deshalb steigen solche “Firmen” auch alle zwei Jahre um, und Leute denen man vor zwei Jahren Freenet verkauft hat bekommen jetzt Arcor angedreht und in zwei Jahren wahrscheinlich 1&1!!

Nach ein paar Tagen habe ich den 7. Schritt zum Erfolg befolgt, nämlich “Werde Dir bewusst was Du hier tust”. Ich hab gesagt “Leckt mich am Arsch” und ein paar Tage später war ich fristlos gekündigt. Dankeschön – das beste was mir passieren konnte ;)
Aber die Erfahrungen die ich während den paar Tagen gemacht habe sind Gold wert! Leute lasst euch blos nicht einlullen von solchen Deppen!!

Der direkte Vergleich

DSDS hängt ja langsam vielen Deutschen zum Hals raus. Mir auch. Und ich hoffe inständig das es die letzte Staffel war. Das Glück wird uns aber wahrscheinlich nicht beschert. Wetten das spätestens Weihnachten wieder Werbung läuft für neue Castings?

Aber bleiben wir mal bei der kürzlich erst zu Ende gegangenen Staffel bei der Daniel Schumacher (*kotz*) gewonnen hat. Man bleibt ja leider von DSDS selbst dann nicht verschont wenn man Samstags ab 20:15 Uhr den sender RTL von der Programmliste streicht. Schlägt man die Zeitung auf sind die Hackfressen drin, schaut man Nachrichten oder andere Magazine auf RTL, Sat1 oder Pro7 dann bringen sie garantiert einen Bericht über die DSDS-Kandidaten.
Dabei ist mir was aufgefallen: Die letzten drei Finalisten, Annemarie Eilfeld, Sarah Kreuz und Daniel Schuhmacher haben sie ja ganz schön Massentauglich getrimmt. Nämlich wie die Darsteller aus High School Musical (wer es nicht weis: sind so Teenie-Filme von Disney mit vielen Gesangs- und Tanzeinlagen).

Hier mal der direkte Fotovergleich

Annemarie Eilfeld und Ashley Tisdale

Annemarie Eilfeld

Annemarie Eilfeld

Ashley Tisdale

Ashley Tisdale

Sarah Kreuz und Vanessa Hudgens

Sarah Kreuz

Sarah Kreuz

[caption id="attachment_202" align="alignnone" width="189" caption="Vanessa Hudgens"]Vanessa Hudgens[/caption]

Daniel Schuhmacher und Zac Efron

Daniel Schuhmacher

Daniel Schuhmacher

Zac Efron

Zac Efron

Jaja, die sehen alle nicht wie Doppelgänger aus, aber mal ehrlich, die Ähnlichkeit ist schon gravierend, oder?
Fragt sich blos ob lauter High School Musical-verrückte Teenies DSDS angeguckt haben und ihren Eltern beim Voting die Telefonrechnung in den Tausender Bereich telefoniert haben oder ob es eine geschickte Marketing-Strategie von RTL war. Ich denke eher an letzteres.

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